Umsetzungen zur Wiederherstellung der Schweizerwiese in Bad Vöslau

Die Breitstirnige Plumpschrecke ist ein Bewohner von spät gemähten Wiesen und durch das Verschwinden solcher Wiesen sehr selten geworden. © Alexander Panrok
Preisübergabe Brennnessel, v.l.n.r.: Jürgen Öllinger (ADEG Vorstand), Irene Drozdowski (Obfrau Landschaftspflegeverein), Katrin Riedler (Pfadfinder*innen Gainfarn), Andrea Jenny (Pfadfinder*innen Bad Vöslau), Gerald Burger (Stadtgemeinde Bad Vöslau), Biologe Rupert Stingl, Ronald Würflinger (GF Blühendes Österreich) © Blühendes Österreich
Die Schweizerwiese vor den Maßnahmen - stark verbuscht und verbracht. © Rupert Stingl
Beim Entfernen der Gebüsche kam eine hydraulische Schere zum Einsatz. © Irene Drozdowski/LPV
Auf der in vielen Bereichen bereits stark verbuschten Fläche wurden von der Firma Gneist & Krajnik Gehölze entfernt. Dabei kam eine beachtliche Menge an Material zusammen. © LPV/Drozdowski
Die Schweizerwiese nach Entfernung der größeren Gehölze und vor dem Tiefe-Fräsen. ©  LPV/Drozdowski
Einsatz einer Tiefenfräse auf der Schweizerwiese zur endgültigen Entfernung der Wurzelstöcke der Gehölze. © Firma Gneist & Krajnik
Einsatz einer Tiefenfräse auf der Schweizerwiese zur endgültigen Entfernung der Wurzelstöcke der Gehölze. © Firma Gneist & Krajnik
Erstmals seit über 20 Jahren zeigt sich die Schweizerwiese wieder vollständig aufgelichtet und entbuscht. ©  Irene Drozdowski/LPV
Auf Grund der Trockenheit bis Mitte Juni dauerte es lange mit der Keimung der Wiesenpflanzen und einiges an Geduld beim gespannten Warten war nötig.  ©  I. Drozdowski/LPV
Mitte Juni zeigten sich die ersten Pflanzen auf der gefrästen Fläche, darunter die Rosetten der Grau-Kratzdistel, einer typischen Feuchtwiesen-Pflanze. ©  I. Drozdowski/LPV
Ende Juli hatte sich die Vegetation auf der gesamten Fläche geschlossen. ©  I. Drozdowski/LPV
Das Goldruten-Bekämpfungsteam des Landschaftspflegevereins bestehend aus 13 Freiwilligen. © I. Drozdowski/LPV
Erfolgreiche Goldrutenbekämpfung durch Aushacken des Wurzelstocks © I. Drozdowski/LPV
Erfolgreiche Goldrutenbekämpfung durch Aushacken des Wurzelstocks © I. Drozdowski/LPV
Erfolgreiche Goldrutenbekämpfung durch Aushacken des Wurzelstocks © I. Drozdowski/LPV
Die Feuchtwiesen-Prachtnelke blühte nach der Entbuschung besonders üppig und setze auch viele Samen an, die in Folge gezielt auf den gefrästen Flächen ausgestreut wurden. © I. Drozdowski/LPV
Zahlreich blühte auch der Weidenblatt-Alant. © I. Drozdowski/LPV
Die Grau-Kratzdistel ist eine typische Feuchtwiesen-Pflanze. Sie blühte auf den gefrästen Flächen in großer Zahl. Ihre Blüten wurden von vielen Wildbienen, Käfern und Schmetterlingen besucht. © I. Drozdowski/LPV
Die Feuchtwiesen-Prachtnelke ist eine der botanischen Besonderheiten der Schweizerwiese. © Alexander Mrkvicka

Nach dem Gewinn der Brennnessel - Österreichs größtem Naturschutzpreis - für die wertvolle Schweizerwiese im Februar ging es unmittelbar danach direkt an die Umsetzung auf der Fläche.

Auf der in vielen Bereichen bereits stark verbuschten  Feuchtwiese wurden von der regionalen Firma Gneist & Krajnik Gehölze geschnitten und ungefähr die Hälfte der Fläche tiefengefräst, um das Wurzelwerk der Gehölze endgültig zu entfernen. Als Ergebnis zeigte sich die Schweizerwiese erstmals seit über 20 Jahren wieder vollständig aufgelichtet und entbuscht. Wildblumen-Saatgut wurde nicht eingebracht, da zu erwarten war, dass ausreichend Samen der Wiesenpflanzen in der Samenbank des Bodens vorhanden sind. Leider musste der geplante Pflegetermin mit den Pfadfinder*innen-Gruppen Bad Vöslau und Gainfarn aufgrund von Corona abgesagt werden. Die geplanten Maßnahmen wurden von den Mitarbeitern des Bauhofs übernommen. Anfang Juli fanden sich dann 13 Freiwillige beim Pflegetermin des Landschaftspflegevereins zusammen, die gemeinsam Goldruten rund um die Schweizerwiese aushackten. Dabei handelt es sich um eine nicht heimische, invasive Pflanzenart. Sie ist vielen aus dem Hausgarten bekannt, verursacht in der Natur aber große Probleme, weil sie heimische Pflanzen- und in Folge auch viele Tierarten verdrängt. Kämen die Goldruten zum Aussamen, gäbe es auf dem durch die Fräsarbeiten noch sehr offenen Boden der Schweizerwiese ideale Keimbedingungen. Als weitere Pflegemaßnahme wurde die Wiese im Oktober von einem Landwirt der Region gemäht.

Erfreulicherweise waren schon heuer erste Erfolge sichtbar: so breiteten sich auf der gefrästen Fläche bereits erste Feuchtwiesenpflanzen wie Färber-Scharte und Grau-Kratzdistel wieder aus. Auf den Wiesenflächen, die nicht gefräst werden mussten, zeigten sich Raritäten wie Feuchtwiesen-Prachtnelke, Pannonische Platterbse, Großer Wiesenknopf und Weidenblatt-Alant in voller Blüte. Wir sind schon gespannt, welche Arten wir im nächsten Jahr wiederentdecken, denn die Wiederherstellung einer Wiese ist ein mehrjähriger Prozess und immer für Überraschungen gut.

Die Schweizerwiese östlich des Schilfwegs in Bad Vöslau ist eine der letzten wertvollen Restflächen einer ehemals großen Feuchtwiesenlandschaft am Übergang der Thermenlinie zum Wiener Becken. In den letzten 20 Jahren ist sie stark verbuscht. Die seltenen Arten drohten zu verschwinden. 2019 erwarb die Stadtgemeinde Bad Vöslau daher, bestärkt durch die langjährige Initiative des Biologen Rupert Stingl, die 9.500 Quadratmeter große Wiese, um sie wiederherzustellen und die besonderen Feuchtwiesen-Arten zu retten. Mit Unterstützung und fachlicher Beratung durch den Landschaftspflegeverein Thermenlinie-Wienerwald-Wiener Becken werden nun seit Anfang März Maßnahmen zur Wiederherstellung und Erhaltung umgesetzt.

Das Projekt wird durch den Naturschutzpreis "Die Brennnessel" der Naturschutzstiftung Blühendes Österreich finanziell unterstützt. Ein weiterer großer Anteil wird durch die Stadtgemeinde Bad Vöslau finanziert.